Auf der Suche nach Arbeit

26.03.2026Text: PROF. DR. CARLO KNÖPFEL

Arbeitslos, stellensuchend, erwerbslos: das ist nicht das Gleiche. Stellensuchende sind Menschen, die bei einer Regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) registriert sind. Ein Teil von ihnen sind arbeitslose Stellensuchende (kurz Arbeitslose), der andere Teil sind nicht-arbeitslose Stellensuchende. In einem Merkmal unterscheiden sich die beiden letztgenannten Gruppen: Arbeitslose sind sofort vermittelbar, die anderen nicht, weil sie zum Beispiel in einer Weiterbildung sind, Militärdienst leisten oder einem Zwischenverdienst nachgehen.

Wer wissen will, wie sich die Situation der Jobsuchenden auf dem Schweizer Arbeitsmarkt präsentiert, muss allerdings über die Zahlen des SECO hinausblicken. Es gibt sehr viele weitere, die Arbeit suchen, aber noch nicht oder nicht mehr bei einem RAV gemeldet sind. Die Rede ist von den Erwerbslosen. Dazu gehören unter anderem ausgesteuerte Stellensuchende, Arbeitslose in der Sozialhilfe, Wiedereinsteigende oder junge Erwachsene ohne Arbeit. Die Zahl der Erwerbslosen ist deutlich höher als jene der Stellensuchenden und Arbeitslosen. Dies zeigt der Vergleich der Zahlen für das 3. Quartal 2025 (neuere Zahlen für die Erwerbslosen gibt es noch nicht): Zu diesem Zeitpunkt waren 133233 arbeitslos gemeldet, es wurden 213750 Stellensuchende gezählt und 261000 als erwerbslos erfasst.

Neben den absoluten Zahlen sind auch die Quoten von grosser Aussagekraft. So misst die Erwerbslosenquote die Relation zwischen der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (zwischen 15 und 74, so die internationale Konvention) und jenen, die angeben, erwerbslos zu sein, auf der Suche nach einem Job sind und in kurzer Zeit eine Stelle antreten könnten. Blickt man auf den langfristigen Verlauf dieser Erwerbsquote für die Schweiz, so wird deutlich, dass sich die Erwerbslosigkeit über die Jahre ausgeweitet und sich seit der Finanzkrise 2008 auf hohem Niveau zwischen 4 und 5 Prozent verfestigt hat. Die Schweiz hat sich damit immer weiter vom volkswirtschaftlichen Ziel der Vollbeschäftigung entfernt. Auch bei gutem Konjunkturverlauf sinkt die Erwerbslosenquote kaum mehr. Viele Erwerbslose bleiben auch bei bester wirtschaftlicher Lage ohne Anstellung, auch wenn dann der Ruf der Firmen nach Fachkräften besonders laut wird. Dieses Phänomen, auch «mismatching» genannt, muss als strukturelle Arbeitslosigkeit gedeutet werden. Die Erwerbslosen weisen ein Profil ihrer Fähigkeiten und Erfahrungen auf, das offensichtlich nicht jenem entspricht, das auf dem Arbeitsmarkt gesucht wird.

Berücksichtigt man die kommende demographische Entwicklung, in der immer weniger Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt kommen als diesen verlassen, muss man sich fragen, ob wir diese Erwerbslosen mit Hinweisen auf Weiterbildungs- und Umschulungsmöglichkeiten ihrem Schicksal in liberaler Manier überlassen sollen. Oder ob der Staat nicht auf ein Transformationsprojekt verpflichtet werden sollte, in dem in grossem Stil mit einem Weiterbildungsfonds die Möglichkeit geschaffen wird, sich auf Berufe umschulen zu lassen, an denen es im Arbeitsmarkt mangelt – so insbesondere im Bereich der Klimatechniken, der Digitalisierung und vor allem der Betreuung und Pflege.

Über PROF. DR. CARLO KNÖPFEL

PROF. DR. CARLO KNÖPFEL ist Dozent am Institut Sozialplanung, Organisationaler Wandel und Stadtentwicklung der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz.