Verkäufer*innenkolumne

Es ist nie zu spät für Neues!

Nr. 598,

Es war Ende April im letzten Jahr; mit 68 Jahren habe ich mein erstes Buch mit dem Titel «Am Rande mittendrin, Erlebnisse eines Surprise-Verkäufers» veröffentlicht. Und es wurde gleich ein Bestseller. Was ich damit sagen will: Es ist nie zu spät für Neues!

Im Surprise, Heft Nr. 575, hat mich Diana Frei, Co-Leiterin der Surprise-Redaktion, in der Folge als «Nachwuchsautor» bezeichnet. In einer anderen Zeitung wurde ich als «immer noch jugendlich wirkend» beschrieben. An einem Senior*innennachmittag, während einer Lesung aus meinem Buch, habe ich mich keck als «Auch-Senior» vorgestellt. Eine Zwischenruferin aus dem vollbesetzten Saal hat mich korrigiert; ich sei noch kein Senior, vielleicht ein Jung-Senior. Und jemand hat mich verblüfft gefragt: «Was? Du machst Lesungen an Senior*innennachmittagen?»

Aber sicher mach ich das, und zwar oft, und es ist mir immer eine Freude und ein Vergnügen. Und auch daran gibt es nichts zu rütteln: Ich bin Senior, und das ganz offiziell beglaubigt. Ich beziehe AHV. Mein Saison-Abo für die Badi ist ein Rentner-Abo. Mein GA von der SBB ist ein Senioren-GA.

Und trotz meinen inzwischen 69 Jahren stehe ich immer noch in der Bahnhofunterführung zu Rapperswil und verkaufe dort meine Surprise-Hefte. Auch im nächsten Jahr, mit Sibezgi, werde ich noch dort stehen und meine SurpriseHefte verkaufen. So lang die Beine tragen, wird der Surprise-Verkauf Teil meines Lebens sein. Ich habe meine Gründe. Einer davon: Man muss etwas tun, solange man kann und mag. Man muss raus, unter die Leute. Das ist wichtig! Zumindest für mich. Viele Sprichwörter tragen eine Menge Weisheit und Wahrheit in sich. Eines davon besagt: Wer rastet, der rostet.

Aber natürlich stehe ich nicht mehr so oft in der Bahnhofunterführung zu Rapperswil wie einst. Es wird weniger und weniger. Es funktioniert nicht mehr alles so wie anno dazumal. Die Kräfte lassen nach, die Erholungsphasen werden länger, und es geht alles nicht mehr so leicht und locker und schnell wie einst. Aber ich geniesse die Langsamkeit des Lebens, denn Rennen muss ich keine mehr gewinnen.

Und doch, ich bin engagiert. In Altem und in Neuem. Was ich damit sagen will: Liebe Seniorinnen und liebe Senioren aus nah und fern. Wir gehören noch lange nicht zum alten Eisen.

Die Texte für diese Kolumne werden in Workshops unter der Leitung von Surprise und dem Autor Ralf Schlatter erarbeitet. Die Illustration entsteht in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern – Design und Kunst, Studienrichtung Illustration.

URS HABEGGER, 69, verkauft Surprise seit 17 Jahren in der Bahnhofunterführung in Rapperswil. Er hat einige Jahrzehnte Übung darin, aus jedem Tag das Beste herauszuholen.

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