Meine Tierwelt
Was sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht, sind all die Tiere, die mich begleitet haben. Denn dank den Erinnerungen an sie schaffe ich es immer besser, die Traumata meiner Kindheit zu verarbeiten.
Fangen wir bei Bonny an, dem ersten Hund, den meine Eltern sich zugetan hatten. Sie war ein Basset-Weibchen, und ach wie gut kann ich mich noch an sie erinnern. Sie war sehr kurzbeinig und in die Länge gezogen. Über die Überzüchtung bei der Reinrassigkeit wird ja oft zu Recht diskutiert. Bonny schlabberte die ganze Zeit noch schlimmer als ein Boxer-Hund.
Bonny hatte von klein auf Rückenprobleme, war aber die liebevollste Hündin, die man sich vorstellen kann. Alles liess sie mit sich machen. Wir drei Mädchen, damals fünf, drei und ein Jahr alt, waren nicht nur zärtlich mit ihr.
Trotzdem hüpfte sie immer zu uns aufs Sofa, wodurch wir dann kaum mehr Platz hatten. Ich war glücklich und zufrieden mit diesem Familienzuwachs. Sehr oft, wenn ich traurig war und die Tränen einfach flossen, versteckte ich meinen Kopf in ihrem Nacken.
Meinen Eltern jedoch reichte Bonny bald nicht mehr. Sie wollten einen zweiten Rassehund. Wir bekamen Wadiza, eine langhaarige hellbraune Windhündin. Die war leider nicht so kuschelig, hielt dafür aber meine Mutter auf Trab. Ich weiss noch, nun war sie jeden Morgen mit anderen Hundefanatiker*innen unterwegs.
Wenn wir nicht im Kindergarten oder in der Schule waren, mussten wir mit. Oft standen die Hundebesitzer*innen beisammen und quatschten auf der grossen Wiese, sodass die Hunde sich austoben konnten. Das Problem war nur, im Winter, so im Stehen, glaubten wir oft demnächst zu erfrieren. Wie viele Male habe ich wohl gefragt: «Mami, wann gehen wir endlich?» Für uns Kinder war es langweilig, auf einer leeren Wiese herumzustehen, mit dem Gefühl, dass die Hunde für meine Mutter wohl wichtiger sind als wir.
Doch schon bald waren auch die Hunde nicht mehr genug. Und es kamen noch mehr Tiere hinzu.
KARIN PACOZZI
KARIN PACOZZI, 59, erzählt oft davon, wie sich menschliche Beziehungen im Umgang mit Tieren spiegeln. Die Fortsetzung der Geschichte folgt im nächsten Heft.
Was sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht, sind all die Tiere, die mich begleitet haben. Denn dank den Erinnerungen an sie schaffe ich es immer besser, die Traumata meiner Kindheit zu verarbeiten.
Fangen wir bei Bonny an, dem ersten Hund, den meine Eltern sich zugetan hatten. Sie war ein Basset-Weibchen, und ach wie gut kann ich mich noch an sie erinnern. Sie war sehr kurzbeinig und in die Länge gezogen. Über die Überzüchtung bei der Reinrassigkeit wird ja oft zu Recht diskutiert. Bonny schlabberte die ganze Zeit noch schlimmer als ein Boxer-Hund.
Bonny hatte von klein auf Rückenprobleme, war aber die liebevollste Hündin, die man sich vorstellen kann. Alles liess sie mit sich machen. Wir drei Mädchen, damals fünf, drei und ein Jahr alt, waren nicht nur zärtlich mit ihr.
Trotzdem hüpfte sie immer zu uns aufs Sofa, wodurch wir dann kaum mehr Platz hatten. Ich war glücklich und zufrieden mit diesem Familienzuwachs. Sehr oft, wenn ich traurig war und die Tränen einfach flossen, versteckte ich meinen Kopf in ihrem Nacken.
Meinen Eltern jedoch reichte Bonny bald nicht mehr. Sie wollten einen zweiten Rassehund. Wir bekamen Wadiza, eine langhaarige hellbraune Windhündin. Die war leider nicht so kuschelig, hielt dafür aber meine Mutter auf Trab. Ich weiss noch, nun war sie jeden Morgen mit anderen Hundefanatiker*innen unterwegs.
Wenn wir nicht im Kindergarten oder in der Schule waren, mussten wir mit. Oft standen die Hundebesitzer*innen beisammen und quatschten auf der grossen Wiese, sodass die Hunde sich austoben konnten. Das Problem war nur, im Winter, so im Stehen, glaubten wir oft demnächst zu erfrieren. Wie viele Male habe ich wohl gefragt: «Mami, wann gehen wir endlich?» Für uns Kinder war es langweilig, auf einer leeren Wiese herumzustehen, mit dem Gefühl, dass die Hunde für meine Mutter wohl wichtiger sind als wir.
Doch schon bald waren auch die Hunde nicht mehr genug. Und es kamen noch mehr Tiere hinzu.