Wie meine Tierwelt verschwand

22.04.2026

Eines Nachts, meine Eltern kamen vom Ausgang, machten sie einen Riesenkrach. Ich stand auf und ging nachsehen. Mein Vater hatte auf einem Arm etwas, das sich bewegte, aber mit einer dünnen Decke bedeckt war. Als er mich sah, fuhr er mich an, ich solle zurück ins Bett. Ich druckste herum, fragte, ob ich nicht helfen könne. Das Ding auf meines Vaters Arm kam so ins Schwanken, dass die Decke herabfiel und ich sah, dass es ein blauer Ara war. Wie schön ist das, dachte ich, und war sofort hellwach. Doch mein Vater schickte mich ins Bett zurück und meinte, das ist für alle zusammen morgen früh. Kaum war Ruhe eingekehrt, schlich ich mich aus dem Kinderzimmer und ging in die Wohnstube, wo dieser wunderschöne Vogel sass. Auch er war noch hellwach, aufgeregt und verängstigt. Ich dachte, typisch meine Eltern, tun sich ein Tier zu, stellen es ab und gehen schlafen. Ich blieb die ganze Nacht und sprach ruhig und leise auf ihn ein. Silver hiess er, wie ich am nächsten Morgen erfuhr.

Nun hatten wir zwei Hunde und einen Ara. Silver und Bonny, das Basset-Weibchen, waren lange Zeit mein Ein und Alles. Ach, so viele schöne Erinnerungen mit ihnen! Eine nur: Silver durfte auf Bonny reiten, beide verstanden sich gut. Bald kam auch noch ein roter Ara dazu. Wie alles endete, war leider nicht so glücklich. Bonny wurde zwar alt, verliess uns aber, als sie kaum noch gehen konnte. Ich sehe sie heute noch vor mir, wie grau sie nach all den Jahren geworden war, und ich weiss noch, wie sehr ich trauerte.

Wadiza, der Windhund, starb jung. Den roten Ara mussten wir wieder an die Leute zurückgeben, die ihn, wie sich herausstellte, doch nur bei uns parkieren wollten, während sie im Ausland waren. Und da meine Mutter nun wieder arbeitete, mussten wir Silver bald auch fortgeben. Er war zu einsam geworden und rief und schrie deshalb laut und oft – wodurch sich wiederum die Nachbarn gestört fühlten.

Tiere gelten vielen Menschen immer noch als Gegenstand, den man besitzt. Auch das Strafgesetzbuch spricht bei einem verletzten Tier immer noch von Sachbeschädigung. Es wird Zeit anzuerkennen, dass die Tiere sich selbst gehören. Sicher sorgen wir oft auch gut für sie. Doch seien wir ehrlich, wir bekommen es tausendfach zurück.

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