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Soziale Stadtrundgänge

Expertise und Vernetzung

Das Wissen und der Erfahrungsschatz der Surprise-Stadtführer*innen ist immer mehr gefragt: an wissenschaftlichen Tagungen, in Schulklassen und in Medienberichten. Höhepunkt des Jahres war ein mehrtägiger internationaler Kongress mit Stadtführer*innen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Gemeinsam für eine gute Sache: Das 1. Peer-Treffen von Sozialen Stadtrundgängen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz in Basel.

Die Sozialen Stadtrundgänge mussten, bedingt durch die Pandemie, alle Touren von Januar bis Mitte März stornieren. Wie bereits im Vorjahr war dies mit einem hohen Aufwand verbunden. Ab Mitte März konnten die Führungen – zu Beginn nur mit Schulklassen – langsam wieder aufgenommen werden. Der Besuch in den sozialen Institutionen blieb weiterhin eingeschränkt. Als Folge der durch die Pandemie ausgelösten institutionellen, gesellschaftlichen und persönlichen Veränderungen haben alle Stadtführer*innen ihre Touren überarbeitet und die Texte angepasst. Weiterhin erhielten alle Stadtführer*innen ohne staatliche Unterstützungsleistungen von Surprise eine finanzielle Ausfallentschädigung.

Der Bereich konnte 2021 ein neues Angebot zur gesellschaftlichen Sensibilisierung erfolgreich initiieren: das Bildungsangebot «Surprise macht Schule» bringt als mehrteiliger Lehrblock die Themen «Armut und Obdachlosigkeit» ins Klassenzimmer. Surprise stellt dabei das Fachwissen, eine Grobplanung sowie Schulmaterial zur Verfügung. Die Stadtführer*innen treten bei «Surprise macht Schule» als Expert*innen der Strasse und als Armutsbetroffene in einen direkten Dialog mit den Jugendlichen. Die ersten Schulbesuche zeigten, dass neben den Schüler*innen auch die Stadtführer*innen davon profitieren und neue Erkenntnisse in die Touren einbringen können.

Die Stadtführer*innen 2021 in Zürich, Basel und Bern (v.l.n.r., Foto: Marc Bachmann, Lucia Hunziker, Ruben Hollinger).

Internationaler Kongress

Ein Höhepunkt für alle Stadtführer*innen war der in Basel durchgeführte Kongress des von Surprise mitgegründeten International Network of Social Tours (INST) mit Stadtführer*innen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die mehrtägige Weiterbildung in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Soziale Arbeit der FHNW vermittelte wichtige Impulse zur weiteren Tour- und Persönlichkeitsentwicklung. Vor dem Kongress fanden zwei virtuelle Austausche mit rund 60 Stadtführer*innen und Angebotsleitungen aus 13 Städten statt.

Die Surprise-Stadtführer*innen waren zudem bei den 7. Oltner Verschuldungstage der FHNW als Redner*innen und Podiumsteilnehmer*innen involviert. Die regelmässige Zusammenarbeit mit Hochschulen, die institutionalisierte Teilnahme der Student*innen an unseren Führungen und unsere Teilnahme an Podien bestätigt immer wieder, wie stark die Expertise der Stadtführer*innen gefragt ist. Ähnlich sieht es bei den Medien aus: insgesamt 28-mal berichteten die Medien 2021 über die Sozialen Stadtrundgänge. Die Angebotsverantwortliche Sybille Roter wurde zudem als Podiumsteilnehmerin zu den Auswirkungen der Corona-Massnahmen auf Armutsbetroffene anlässlich einer 1.-Mai-Veranstaltung eingeladen.

Der erste internationale Austausch: virtuell trafen sich 62 Teilnehmer*innen von 13 Organisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Schwierige Suche nach neuen Stadtführer*innen

In Zürich fiel der sehr engagierte Stadtführer Peter Conrath aus gesundheitlichen Gründen aus, was ein herber persönlicher Verlust für das Team darstellte. Die Angebotsleiterin Carmen Berchtold begleitete ihn in dieser schwierigen Zeit so gut wie möglich – auch in administrativen Belangen. Um die grosse Nachfrage der Besucher*innen zumindest teilweise abdecken zu können, stockten alle Stadtführer*innen ihr Pensum leicht auf und unterstützten sich gegenseitig. Die Suche nach neuen Stadtführer*innen gestaltete sich als schwierig, nicht zuletzt aufgrund der Pandemie.

Ein Höhepunkt für das Zürcher Team war der Besuch des Gesamtregierungsrats des Kantons einer Tour mit Daniel Stutz. 2022 ist in Zürich eine Aufstockung der personellen Ressourcen geplant. Der Fokus wird auf der Ausbildung von neuen Stadtführer*innen und dem Aufbau von neuen Touren liegen.

Priska Schlatter, Co-Leiterin KoSA Zürich, konnte Carmen Berchtold, Leiterin Soziale Stadtrundgänge Zürich, dank einer temporären Erhöhung des Pensums administrativ unterstützen.

Krankheitsbedingte Ausfälle in Bern

Auch Bern hatte 2021 mit vielen krankheitsbedingten Ausfällen sowie Absagen, Umbuchungen, Neubuchungen und erneuten Absagen aufgrund der Pandemie zu kämpfen, was einen administrativen Mehraufwand für die Angebotsleitung und eine grosse Belastung für die Stadtführer*innen mit sich brachte. Die Touren für Einzelpersonen mussten vorübergehend ausgesetzt werden. Doch auch in Bern hielt das Team zusammen und unterstützte sich gegenseitig, wo nötig. Bei den Ausfällen war Flexibilität nötig, damit bestehende Touren neu konzipiert oder in neuen Konstellationen durchgeführt werden konnten. Neu wird etwa die Tour 3 «Armut und Sucht» von Franziska Lüthi alleine durchgeführt und gilt als Frauenarmuts-Tour.

Eine grosse Wertschätzung für das Berner Team war die Publikation des Buchs «Hogant» des Schriftsstellers Gabriel Anwander. Der Krimimalroman wurde inspiriert durch einen Sozialen Stadtrundgang und ist den Stadtführer*innen Franziska Lüthi und Roger Meier gewidmet.

Das Pensum der Angebotsleiterin Graziella Cisternino wurde Mitte Jahr leicht erhöht. 2022 ist eine weitere personelle Aufstockung in den Bereichen Stadtrundgang und Koordination Strassenverkauf und Soziale Arbeit geplant. Der Fokus wird auf der Ausbildung von neuen Stadtführer*innen und dem Aufbau von neuen Touren liegen.

Neue Tour zum Thema «Schulden»

In Basel startete im September nach einer intensiven einjährigen Recherche und Aufbauarbeit die Tour «Wege aus der Schuldenspirale» mit dem neuen Stadtführer Tito Ries. Gleichzeitig wurde der Podcast «TITO – vom Obdachlosen zum Stadtführer» lanciert. Der Podcast ist ein wertvolles Dokument zur gemeinsamen Biografiearbeit bei Surprise und zur Vorbereitung von Stadtführer*innen bei der Erarbeitung ihrer neuen Rolle.

Markus Christen, Stadtführer seit der ersten Stunde und Absolvent von über 600 Touren, wurde 2021 in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Die vielen positiven Feedbacks zu seiner Arbeit zeigen, dass das Angebot nachhaltigen Wandel ermöglicht. 2022 ist in Basel der Aufbau einer Tour mit einem neuen Stadtführer zum Thema «Armutsfalle psychische Erkrankung» vorgesehen.

Zahlen und Fakten

  • 139 Touren mussten aufgrund der Corona-Massnahmen abgesagt werden.
  • Die Pandemie führte auch 2021 zu grossen Umsatzeinbussen: der Ertrag konnte gegenüber 2020 zwar um 4 Prozent gesteigert werden, ist aber immer noch rund 30 Prozent tiefer als 2019.
  • Auf insgesamt 641 Touren wurden 11‘267 Besucher*innen durch Basel, Bern und Zürich geführt.
  • Seit dem Start der Sozialen Stadtrundgänge 2013 ermöglichten wir bereits 90‘732 Personen einen anderen Blick auf ihre Stadt.
  • 2021 haben 1390 Personen an einer Frauenarmuts-Tour teilgenommen.