Homogamie
«Gleich und gleich gesellt sich gern», weiss der Volksmund. In Fachkreisen spricht man von Homogamie, wenn Paare zum Beispiel das gleiche Bildungs- oder das gleiche Einkommensniveau aufweisen. Neue Zahlen des Bundesamtes für Statistik aus der Erhebung zu Familien und Generationen zeigen, dass bei rund zwei Dritteln aller Paare beide Personen das gleiche Bildungsniveau haben. Die zunehmende Akademisierung kommt auch hier zum Ausdruck: Bei 42 Prozent der Paare haben beide einen Tertiärabschluss gemacht, bei 21 Prozent weisen die Partner*innen einen Bildungsstand auf der Sekundarstufe II aus.
Ein wichtiges Merkmal der Bildungslandschaft ist der starke Anstieg der Bildungsabschlüsse auf universitärer oder Hochschulstufe bei den Frauen. Auch diese Entwicklung findet sich in den eben publizierten Zahlen wieder. War es bei den älteren Generationen noch häufig der Fall, dass der Mann einen höheren Bildungsstand erreichte als die Frau, so hat sich bei den 25- bis 39-Jährigen das Bild ausgeglichen, ja sogar leicht zugunsten der Frauen verschoben. In dieser Alterskohorte haben nur noch rund 16 Prozent der Männer einen höheren Bildungsstand als ihre Partner*innen, bei den Frauen beträgt dieser Anteil knapp 17 Prozent.
Bei den Einkommensvergleichen lassen sich ähnliche Verhältnisse beobachten. Auch hier überwiegen die Paare, die sich in ähnlichen wirtschaftlichen Verhältnissen befinden. Eine Durchmischung der Gesellschaft jenseits von Bildung und Einkommen findet immer seltener statt. Je stärker aber eine Gesellschaft von Homogamie geprägt ist, desto stabiler sind soziale Ungleichheiten und desto geringer ist die soziale Mobilität. Damit wird die Gesellschaft mit ihren Schichten zementiert. Die Gefahr steigt, dass man sich nicht mehr versteht und ein schichtübergreifender Austausch nicht mehr stattfindet.
Die Zahlen zeigen aber auch, dass in Paarbeziehungen eine Abkehr von den traditionellen Rollenbildern stattfindet. Es wird normal, dass Frauen in Beziehungen einen höheren Bildungsstand erreichen oder ein höheres Einkommen erzielen können.
In einer Hinsicht hat sich aber noch wenig geändert. Männer sind in Paarbeziehungen noch immer deutlich häufiger älter als Frauen. Bei rund 28 Prozent der Paare sind beide gleich alt. Aber bei 22 Prozent ist der Mann zwei bis drei Jahre und bei weiteren 15 Prozent vier bis fünf Jahre älter als die Frau. Umgekehrt sind nur bei sechs Prozent der Paare die Frauen zwei bis drei Jahre älter als der Mann, und bei drei Prozent findet sich ein Altersunterschied von vier bis fünf Jahren. Darüber, warum das so ist, lässt sich nur spekulieren.